Hygiene ist laut einer Definition der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie die

„Lehre von der Verhütung der Krankheiten und der Erhaltung, Förderung und Festigung der Gesundheit”.

Das Wort Hygiene leitet sich von hygieia, dem griechischen  Wort für Gesundheit ab. Hygieia war die griechische Göttin für Gesundheit, Sauberkeit und Reinheit.

 

Die „hygienische Entwicklung“ durchlief verschiedene Epochen

 

Das klassische Altertum:

Krankenhäuser existierten noch nicht. Deshalb wurden erkrankte Menschen zu Hause versorgt. Auch suchte man Heilung in Tempeln. Epidemien wie Pest oder Pocken traten auf, welche man versuchte durch Räucherungen zu bekämpfen. In Wunden wurde saurer Wein, Öl oder Essig geträufelt. Leprakranke wurden separiert.

 

Das römische Reich:

Im römischen Reich war die Hygiene für damalige Verhältnisse schon sehr weit entwickelt. Die Notdurft wurde auf Latrinen verrichtet. Es gab bereits eine Wasser- und Abwasserversorgung. Körperpflege wurde gerne in Badehäusern betrieben. Man vermutete sogar, dass „kleine Tiere, die für das Auge nicht sichtbar sind“(Mikroorganismen) für Krankheiten verantwortlich waren. Bekannt war auch schon, dass Quarantänemaßnahmen eine Krankheitsübertragung verhindern können.

 

Das Mittelalter:

Hier war es üblich, seine Notdurft auf der Straße zu verrichten. Marktabfälle und tote Tiere blieben einfach auf der Straße liegen. Das hatte zur Folge, dass die Städte immer mehr verschmutzten. Haustiere und Nutzvieh liefen darin herum. Die bislang erworbenen Kenntnisse über hygienisches Verhalten verblassten immer mehr. Seuchenstationen und erste Krankenhäuser entstanden. Doch durch Überbelegung und mangelnde Sauberkeit sowie fehlende Sanitäranlagen breiteten sich immer mehr Typhus, Krätze, Läuse und Flöhe aus.

 

Die Renaissance: 

In dieser Zeit traten damals noch unbekannte Krankheiten wie Syphilis  und die Pest auf. Man glaubte, die Erreger würden durch verseuchtes Wasser über die Poren der Haut aufgenommen. Das Waschen galt als ungesund und gefährlich. Die sichtbaren und unbekleideten Körperpartien wurden lediglich mit einem trockenen Tuch abgewischt.

 

Das 18. und 19. Jahrhundert: 

Ein Fortschritt erfolgte dann im 18. Jahrhundert. Es entstanden erste Abfallentsorgungssysteme mittels Karren. Auch wurden erste Impfungen erprobt.
Im 19. Jahrhundert wurden als Vorläufer moderner Kanalisationen erste Abwasserkanäle und Toiletten gebaut. 1847 konnte Ignaz Semmelweiss erstmals nachweisen, dass Krankheitserreger durch Desinfektion eingedämmt werden konnten. Dadurch verringerte sich die Sterblichkeitsrate der Säuglinge, die häufig an Kindbettfieber starben deutlich. Semmelweiss gilt als „Retter der Mütter“.
1867 setzt erstmals ein schottischer Chirurg (Sir Joseph Lister) Karbol zur Wunddesinfektion vor Operationen ein. In Deutschland gilt Max von Pettenhofer, der ab 1865 einen Lehrstuhl für Hygiene innehatte, als Vater der Hygiene.

 

Das 20. Jahrhundert: 

Ein großer medizinischer Durchbruch gelang 1929 Sir Alexander Flemming. Er entdeckte durch Zufall in Schimmelpilzkulturen das Penicillin und dessen antibiotische Wirkung. Penicillin wurde 1939 als erstes Antibiotikum in der Medizin eingeführt.

In der modernen Medizin sind Antibiotika nicht mehr weg zu denken. Hygiene und Hygienemaßnahmen wie Sterilisation, Desinfektion und Quarantänemaßnahmen sind selbstverständlich. Ebenso spielen Lebensmittelhygiene, Wäschehygiene und die klinische Hygiene eine bedeutende Rolle. So hat Hygiene heute in Deutschland einen sehr großen Stellenwert erreicht, vor allem natürlich in Praxen, ambulanten Einrichtungen und Krankenhäusern – aber auch weit darüber hinaus.

 

Haike Rabe
(Hygienebeauftragte Reha)