Damit die Vorhöfe und Kammern des Herzens das Blut immer in die richtige Richtung pumpen können, wirken die vier Herzklappen als Ventile und verhindern einen Rückstrom des Blutes in die falsche Richtung. Jede Herzhälfte hat eine Segelklappe und eine Taschenklappe. Die Segelklappen liegen zwischen Vorhof und Kammer und heißen Mitralklappe (linkes Herz) und Trikuspidalklappe (rechtes Herz).
Die Taschenklappen liegen jeweils zwischen Kammer und Ausstromgefäß heißen Aortenklappe (linkes Herz) und Pulmonalklappe (rechtes Herz). Die Herzklappen bestehen aus feinem und hochelastischem Bindegewebe. Jede Herzklappe öffnet und schließt sich im Laufe von nur einem Tag ca. 120.000 mal.

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Damit die Pumpfunktion des Herzens optimal funktioniert, muss sich jede Herzklappe in Abhängigkeit von der Herzphase korrekt öffnen und schließen. Ist dies nicht der Fall, so liegt ein Herzklappenfehler vor. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Formen von Klappenfehlern. Bei der Verengung (Stenose) gelangt nicht genügend Blut durch die Klappe und staut sich im davor liegenden Herzabschnitt auf. Bei einer Undichtigkeit (Insuffizienz) der Herzklappe fließt ein Teil des vorangetriebenen Blutes wieder hinter die Herzklappe zurück.

Es gibt verschiedene Ursachen für Herzklappenfehler. Angeborene Herzklappenfehler können z. B. durch die Auswirkung schädlicher Stoffe in der Schwangerschaft, oder bei Erkrankungen der Mutter im Laufe der Schwangerschaft (z. B. Röteln oder Diabetes mellitus) entstehen. Auch bestimmte Erbgutdefekte können zu angeborenen Herzklappenfehlern führen. Erworbene Herzklappenfehler entwickeln sich beispielsweise nach einem Herzinfarkt, nach einer Herzmuskel- (Myokarditis) oder Herzinnenhautentzündung (Endokarditis), durch Kalkablagerungen oder bei Tumorerkrankungen. Bei ca. 99 % der Herzklappenerkrankungen handelt es sich um erworbene Herzklappenfehler.

Wenn die Ventilfunktion der Klappen soweit gestört ist, dass es zum Rückstau oder Rückfluss von Blut kommt, muss das Herz eine Mehrarbeit leisten, um das Blut weiterhin befördern zu können. Durch die höhere Belastung der Herzwand und des Herzmuskels können Herzschwäche (Insuffizienz) und Herzrhythmusstörungen entstehen, die in schweren Fällen zum Herzversagen führen können. Die verminderte Kreislauffunktion führt zu Wassereinlagerungen (Ödeme) im Gewebe, was sich z. B. als Atembehinderung, Bein- oder Leberschwellung äußern kann.

Durch eine Herzklappenoperation kann die Ventilfunktion wieder hergestellt werden

Wenn Medikamente alleine nicht mehr ausreichen, um das Herz zu entlasten, und keine kardiologischen Katheterverfahren (z. B. Klappensprengung bei Verengung der Herzklappen) angewendet werden können, muss die Ventilfunktion der Herzklappen durch eine Herzklappenoperation wieder hergestellt werden. Diese sollte möglichst frühzeitig erfolgen, noch bevor es zu Beeinträchtigungen des Herzmuskels kommt, die nicht wieder rückgängig gemacht werden können.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Operationsverfahren. Bei der Herzklappenrekonstruktion wird die betroffene Herzklappe durch verschiedene chirurgische Techniken wieder funktionsfähig gemacht. Eine Klappenrekonstruktion gestaltet sich bei Verengung und Undichtigkeit unterschiedlich. Am häufigsten wird die rekonstruktive Operation bei einer Undichtigkeit der Mitral- und Trikuspidalklappe angewendet

Die Einsatzmöglichkeiten der Klappenrekonstruktion sind durch die Art der Erkrankung begrenzt. Ist die betroffene Herzklappe schwer deformiert oder verkalkt, ist eine Korrektur nahezu unmöglich.

Kann die Herzklappe nicht rekonstruiert werden, ist der Herzklappenersatz die einzige Möglichkeit, die Ventilfunktion wieder herzustellen. Die erkrankte Herzklappe wird zuerst entfernt und anschließend durch eine biologische oder künstliche Herzklappe ersetzt.

 

Herzklappenersatz: biologisch oder mechanisch?

Biologische Herzklappenprothesen sind menschliche oder tierische Herzklappen, die mit aufwendigen Verfahren aufbereitet werden. Am häufigsten werden biologische Prothesen aus Herzklappen von Schweinen oder aus dem Herzbeutel von z. B. Rindern genutzt. Die biologische Herzklappe hat den Vorteil, dass nur für ca. 8 Wochen spezielle gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulantien wie z. B. Marcumar®) eingenommen werden müssen. Nach dieser Zeit ist eine spezielle Gerinnungshemmung nicht mehr erforderlich, hier reicht in der Regel die Einnahme von ASS aus. Der Nachteil ist, dass biologische Herzklappen eine nur begrenzte Funktionsfähigkeit besitzen. Nach ca. 8 bis 15 Jahren ist durch eine Verkalkung der Herzklappensegel damit zu rechnen, dass die biologische Herzklappe in einer erneuten Operation ausgetauscht werden muss. Deshalb wird dieser Herzklappenersatz hauptsächlich bei älteren Patienten (über 70 Jahre) oder bei Patienten, die keine gerinnungshemmenden Medikamente einnehmen dürfen, genutzt.

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Mechanische Herzklappenprothesen sind Herzklappen, die aus dem extrem beständigen Material Karbon gefertigt werden. Sie sind praktisch verschleißfrei und bestehen aus einem Klappenring und zwei halbmondförmigen Flügeln oder einer Kippscheibe. Die nahezu unbegrenzte Funktionsfähigkeit der mechanischen Herzklappenprothesen, durchschnittlich funktioniert eine mechanische Herzklappe im Laborversuch über 100 Jahre einwandfrei, ist der große Vorteil dieser Prothesenart. Der Nachteil ist, dass mechanische Herzklappen durch die körperfremden Materialien Blutgerinnsel (Thromben) verursachen können. Darum müssen Patienten mit einer mechanischen Herzklappe lebenslang blutgerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulantien wie z. B. Marcumar®) einnehmen.
Für die richtige Einnahme der Antikoagulantien muss der Patient regelmäßig den so genannten INR-Wert bestimmen, der eine Aussage über die Erniedrigung der normalen Blutgerinnung gibt. Der INR-Selbsttest ist einfach durchzuführen und kann durch unsere hausinternen Patientenschulungen schnell erlernt werden. Im Gegensatz zu biologischen Prothesen verursacht die mechanische Herzklappenprothese leise Klickgeräusche bei jedem Herzschlag, an die sich der Patient in der Regel schnell gewöhnt.

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Herzklappenoperation: Sicher und erfolgreich

In der Bundesrepublik müssen sich jährlich ca. 20.000 Patienten einer Herzklappenoperation unterziehen. Inzwischen stellt die Herzklappenoperation einen Routineeingriff dar. Ist der Herzmuskel durch die Belastung noch nicht schwer geschädigt und liegt keine weitere schwere Herzerkrankung vor, ist das Operationsrisiko sehr gering. Durchschnittlich dauert eine Herzklappenoperation in der Schüchtermann-Klinik zwischen 2 bis 3 Stunden.

Nach erfolgreicher Herzklappenoperation bessert sich die Lebensqualität der meisten Patienten deutlich, die Lebenserwartung nach der Operation entspricht der von gesunden Menschen. Selbst eine bereits bestehende Herzschwäche bildet sich im Laufe des ersten Jahres nach der Operation oft wieder zurück. Dennoch ist der Langzeiterfolg einer Herzklappenoperation davon abhängig, wie schwer das Herz und andere wichtige Organe durch die Herzklappenerkrankung bereits in Mitleidenschaft gezogen worden sind.

 

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